Wann kommt eine Psychotherapie in Betracht?

Psychotherapie bedeutet Behandlung der Seele oder seelischer Probleme. Voraussetzung ist, dass es sich um eine Krankheit handelt. Hierdurch kann es zu weitreichenden Störungen im Denken, Fühlen, Erleben und Handeln kommen. Das wichtigste Kriterium für eine Psychotherapie ist das eigene subjektiv empfundene Leid, in der Fachsprache auch Leidensdruck genannt. Ob und welche professionelle Hilfe dann notwendig wird, bespricht der Behandler gemeinsam mit dem Patienten:
Im Rahmen der medizinischen Rehabilitation kann Psychotherapie unter bestimmten Voraussetzungen angewendet werden, wenn eine Abhängigkeit von Alkohol, Drogen oder Medikamenten vorliegt. Ebenfalls kommen beispielsweise seelische Reaktionen als Folge schwerer chronischer Krankheitsverläufe in Betracht.
Psychotherapeuten versuchen, Krankheiten zu heilen beziehungsweise den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen. Darüber hinaus soll verhindert werden, dass eine Krankheit chronisch wird.
Psychotherapie kommt als Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung zum Beispiel nicht in Betracht, wenn sie allein der Erziehungs-, Ehe-, Lebens- oder Sexualberatung dient.
Gesetzlich Krankenversicherte, die sich psychotherapeutisch behandeln lassen müssen, haben es seit Januar 1999 einfacher. Eine Überweisung vom Facharzt ist zukünftig nicht mehr erforderlich. Dann können Versicherte nicht nur die bereits jetzt berechtigten Fachärzte für Psychotherapie, sondern auch neu zugelassene Psychotherapeuten (Psychologische Psychotherapeuten) direkt konsultieren. Das bedeutet für Versicherte: Sie brauchen dann nur noch die Chip-Karte vorzulegen.
Privatversicherte Patienten sollten sich bei ihrer Versicherung erkundigen, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit eine Psychotherapie genehmigt wird. Die Privaten Krankenversicherungen handhaben dies z.T. recht unterschiedlich.

Was passiert nach der ersten Sitzung?

Zu Beginn kann bei einem zugelassenen Therapeuten ein Erstgespräch (probatorische Sitzung) durchgeführt werden. Die Kosten hierfür trägt die Krankenkasse. Falls sich die Notwendigkeit bzw. Indikation für eine Psychotherapie ergibt, muss die Patientin/der Patien/ einen Arzt (sog. Konsiliararzt) aufsuchen. Dieser klärt eine eventuelle organische (Mit)-Versachung für ihre/sein Beschwerden bzw. Symptome ab.

Die Therapie wird dann von der Patientin/vom Patienten sowie vom Psychotherapeuten bei der Krankenkasse beantragt. In der Regel werden zuerst 25 Sitzungen beantragt und auch von der Krankenkasse bewilligt, wenn innerhalb der letzten zwei Jahre keine ambulante Psychotherapie durchgeführt wurde.

Welcher Therapeut kann mich behandeln?

Entscheidend ist, dass der Therapeut berechtigt ist, die Behandlungskosten direkt abzurechnen. Ob ein Therapeut eine Kassenzulassung hat, muss in jedem Fall die Kassenärztliche Vereinigung beantworten können.

Wer darf auf Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherung behandeln?

Zum einen sind die bereits zugelassenen psychotherapeutisch tätigen Arzte zu nennen.
Zum anderen kommen seit 1999 alle zugelassenen Psychologischen Psychotherapeuten beziehungsweise Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Betracht.
Alle diese Behandler stehen für eine professionelle und qualifizierte Versorgung.

Kleines Lexikon der Psychotherapeuten

Ärzte: Psychotherapeutisch tätige Arzte tragen die Zusatzbezeichnung Psychotherapie oder Psychoanalyse. Man erkennt sie auch an der Gebietsbezeichnung Psycho­therapeutische Medizin oder Psychiatrie und Psychotherapie.
Ärzte mit einer speziellen Ausbildung können auch Kinder und Jugendliche behandeln.
Psychologische Psychotherapeuten sind Diplom-Psychologen, die eine mehrjährige praktische Tätigkeit ausgeübt haben. Dazu gehört eine theoretische und praktische Ausbildung. Psychologische Psychotherapeuten haben eine anerkannte Prüfung abgelegt.
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten dürfen Patienten behandeln, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die meisten Therapeuten arbeiten in freier Praxis.
Führen die genannten Therapeuten Psychotherapien durch, betrachten sie verstärkt die psychische Seite der Erkrankung. Dazu zählt insbesondere, auf menschliches Erleben und Verhalten einzugehen und dieses bei Bedarf zu ändern. Medikamente werden in diesen Therapien nicht verwendet.
Sonderfall Psychiater: Psychotherapeuten und Psychiater werden im allgemeinen Sprachgebrauch häufig verwechselt. Tatsächlich unterscheidet sich der Beruf des Psychiaters ganz erheblich von dem des Psychotherapeuten.
Psychiater haben Medizin studiert und eine mehrjährige Facharztausbildung absolviert. Ein Psychiater kennt sich vor allem im Umgang mit schweren Persönlichkeitsstörungen und Psychosen aus. Er setzt dabei vorwiegend auf medikamentöse Behandlung.
Es gibt jedoch auch Psychiater, die Psychotherapie ausüben. Dies aber nur, wenn sie aufgrund einer Zusatz-Ausbildung die Zusatzbezeichnung Psychotherapie oder Psychoanalyse führen.


Behandlungsarten

Die drei zugelassenen Behandlungsarten sind
Verhaltenstherapie geht davon aus, dass bestimmte Erfahrungen und Situationen unser Verhalten prägen und maßgeblich beeinflussen. Ziel der Verhaltenstherapie ist es deshalb, ein bestimmtes Verhalten, das als störend oder bela­stend empfunden wird, zu verändern. Beispiele hierfür können schwere Essstörungen, aber auch krankhafte Ängste sein. Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass einmal gelernte Verhaltensweisen durch alternative Verhaltensweisen abgelöst werden. Ausgehend davon beschäftigt sich diese Therapieform in erster Linie mit dem aktuellen Verhalten des Betroffenen.
Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Therapie ist meist zeitaufwendiger als eine Verhaltenstherapie. Auch diese Therapieform orientiert sich am Verhalten. Darüber hinaus führt sie aber sehr ausführlich in die Kindheit zurück, in die Träume, ins Unterbewusste. Dahinter steckt die Idee, an die Wurzel des Übels zu gehen: Erst wenn unterbewusste Blockaden und traumatische Erlebnisse hervorgeholt werden, können sich auch die Probleme im Alltag auflösen.
Bei der tiefenpsychologischen Therapie handelt es sich um eine Art „kleine Analyse“. Die Vorgehensweise ist die gleiche, aber diese Therapieform ist kürzer.

Einzel- oder Gruppentherapie?

Meistens findet Psychotherapie als Einzeltherapie statt. Bei einigen Therapierichtungen sind auch Gruppenbehandlungen möglich oder werden so­gar bevorzugt angewandt. Hier berücksichtigt der Therapeut, wie die Erkrankung am besten behandelt werden kann.